Wie aus Gaming Gamification wird

Am 28. Mai hatten wir Ulrike Kolley zu Gast, die uns aus Ihrem Alltag beim Entwicklungsstudio DJAMACAT in Neubrandenburg erzählt hat.

Hatten wir nicht alle schonmal die Phantasie, eine Vielzahl an Leben durchleben zu können und jedes einzelne mit einem neuen Lebensweg zu beginnen? Wäre es nicht toll, einmal Astronaut zu sein oder Weltfußballer? Oder einfach ein Imbiss am Matira Beach auf Bora Bora zu haben, der leckere Schrimps mit viel Knoblauchsauce verkauft?

Per Computerspiel den Meeresgrund bevölkern - VielSehn-Magazin
Ulrike Kolley und Tommy Müller vom Neubrandenburger Entwicklungsstudio DJAMACAT.

Computerspiele lassen uns in fremde Welten eintauchen und andere Charaktere erleben

Nicht weiter ist überraschend, dass Statista die Anzahl an Gamern in Deutschland mit rund 34 Millionen angibt (die zumindest gelegentlich spielen).

DJAMACAT ist ein im Jahr 2017 gegründetes Indie-Entwicklungsstudio in Neubrandenburg und entwickelt hauptsächlich eine großangelegte Wirtschaftssimulation mit dem Namen AQUARYOUNS, die in einem postapokalyptischen Szenario spielt, in dem die Welt nach einem vollständigen Klimawandel von einem riesigen Ozean bedeckt wurde.

What is AQUARYOUNS? : aquaryouns
Banner des Spiels AQUARYOUNS des Neubrandenburger Entwicklungsstudios DJAMACAT

Neben der aufregenden Simulation von Wirtschaftskreisläufen und der Möglichkeit, neue kreative Produkte zu schaffen, ist die schön gestaltete, unbekannte und mit eigenen Schiffen erkundbare Unterwasserwelt die Besonderheit des Spiels. Die Entwickler betonen, die große Unterwasserwelt kontinuierlich mit hunderten neuer Spielideen und -mechaniken weiterzuentwickeln, die in die bestehende Wirtschaftssimulation integriert werden und sich gegenseitig beeinflussen. Wir sind gespannt!

Das Spiel ist Free-To-Play; Ingame-Transaktionen für dekorative Elemente sind möglich.

Und wo ist jetzt die Gamification?

Viele kluge Anwendungen haben den kommunikativen Austausch während der Corona-Zeit revolutioniert und die Akzeptanz von interaktiven Inhalten in Meetings merklich erhöht. Zugleich ist dadurch ein ganz neues Potenzial entstanden: E-Learning und Kommunikation durch spielerische Elemente so zu ersetzen, dass der Wissenstransfer verbessert wird. Zeit kurz Innezuhalten und die Wichtigkeit herauszuarbeiten:

Stellen Sie sich einmal kurz vor, Sie könnten am perfekten Wissenstransfer teilhaben:

  • Anstrengendes, jahrelanges Studieren? Nein, einfach ein paar Stunden spielerisch lernen und schon ist der Inhalt aus dutzenden Vorlesungen nachhaltig im Kopf.
  • Überstunden durch langwierige und schwierige Weiterbildung? Nein, einfach heute Nachmittag kurz mit den Kollegen durchspielen.
  • Prüfungsangst? Warum sowas, Sie wissen doch alles!
  • Neue Sprache lernen? Klar, wählen Sie „Griechisch in drei Wochen in einer virtuellen Bar auf Korfu“ und kommen Sie in einer VR-Umgebung sofort mit Muttersprachlern aus Griechenland in Kontakt.

Zugegeben, diese Aufzählung ist eine Traumvorstellung. Aber hey, jeder Schritt in diese Richtung befreit uns von einigem Stress und sorgt für mehr Freih(z)eit.

DJAMACAT macht jetzt auch Gamification

Aufbauend aus dem großen Erfahrungsschatz aus der eigenen Wirtschaftssimulation arbeitet das Entwicklungsstudio nun auch an Gamification-Anwendungen, die zusammen mit vielen Partnern (bspw. Schulen) entwickelt werden. Das erste Projekt heißt DJAMACAT Rooms und besteht aus einem virtuellen, mehrstöckigem Gebäude mit verschiedenen interaktiven Anwendungen (bspw. Leinwand und Whiteboard-Simulationen, Quizzes und einem schwarzen Brett). Uns hat besonders der große Audienzsaal gefallen.

Alpha-Bild der virtuellen Realität im charmanten Comic-Look

Die 3D-Anwendung lief übrigens flüssig auf allen Endgeräten (Windows-Computer, Handy, iPad) im Gegensatz zur 2D-Anwendung „Gather“, die doch ziemlich hakt. Wenn DJAMACAT noch etwas an der Steuerung arbeitet (auf den Mobilgeräten etwas umständlich), dann schlummert hier aus unserer Sicht schon jetzt ein riesen Potenzial!

Fragen die Gründung und das Unternehmen betreffend

Warum gründet man ein Entwicklungsstudio für Computerspiele?

Klare Sache: Das Hobby zum Beruf machen. Nicht umsonst spielt das erste Computerspiel unter Wasser. Die Gründer mögen Aquarien.

Wie finanziert man die Entwicklung von Computerspielen?

Der Markt für Computerspiele ist hart umkämpft, die Toleranz für unfertige Inhalte gering. Aus einem Konglomerat an Partnern, der Computerspieleförderung der Bundesregierung, Crowdfunding und Erlösen vom Verkauf an dekorativen Ingame-Items finanziert DJAMACAT die eigene Entwicklungsstudio-Unternehmung. Der Bereich E-Learning und Gamification gewinnt als zusätzliches Geschäftsfeld zunehmend an Bedeutung.

Wie setzt man sich langfristig auf dem Spielemarkt durch?

Jedes Jahr erscheinen tausende neuer Spiele alleine auf Steam: Der Wettkampf ist enorm hoch. Es gilt, die Gamer als Personen zu erreichen und diese nicht nur einmalig auf das Spiel aufmerksam zu machen, sondern langfristig zu binden. Das geschieht hauptsächlich über Twitch, Social-Media und interessante Ingame-Events.

Setzt man eher auf einen einzigen Blockbuster, oder breiter?

Das Entwicklungsstudio konzentriert sich aktuell auf die Entwicklung von AQUARYONS als einzigen Blockbuster, der nicht ständig einen Nachfolge erhält, sondern ständig erweitert wird. Aktuell gibt es alleine für diesen Titel über 200 neue Ideen.

Entwickelt das Studio alles, insbesondere die Grafikengine, selbst?

Das gesamte Spiel, auch die Engine wird vom Studio entwickelt und kann deshalb dynamisch und flexibel auf allen Endgeräten implementiert, gestaltet und konfiguriert werden.

Wir danken Frau Ulrike Kolley für den sehr persönlichen Einblick in das Gaming-Startup in Neubrandenburg.

Moore sind sexy!

von Juta Mitraite | 15. Mai 2021

Was stellt man sich eigentlich vor, wenn man an ein Moor denkt? Schlammige und sumpfige Böden, die einen in ihren Untergrund ziehen. Keine Chance zu entkommen! Diese unheimlichen Vorstellungen kennen wir vielleicht aus einigen Filmen. Alles schaurige Mythen?