Wer heute Arzneipflanzen für Kosmetik oder pflanzliche Medizin braucht, bekommt sie meist aus Übersee, oft mit unklarer Herkunft, schwankender Qualität und langen Lieferketten. Dr. David Buchmann, Steven Ulbricht und Hannes Grabia wollen mit PlantaMeer zeigen, dass es auch regional geht.


Vom Feld bis zur dokumentierten Qualität
PlantaMeer baut Heil- und Gewürzpflanzen in Mecklenburg-Vorpommern an, teils selbst, teils im Vertragsanbau mit Landwirt:innen aus der Region. Die Ware wird anschließend getrocknet, veredelt und nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs geprüft, sodass Abnehmer:innen eine dokumentierte, regionale Qualität erhalten. Für die Trocknung ist bereits eine eigene Halle in der Nähe des Versuchsfelds im Zulauf. Verdient wird über den Verkauf der getrockneten Rohware und Zuschnitte an verarbeitende Betriebe, langfristig über feste Abnahmeverträge, die sowohl PlantaMeer als auch den anbauenden Höfen Planungssicherheit geben.
Für wen PlantaMeer arbeitet
Die Kund:innen sind verarbeitende Betriebe aus den Bereichen Phytopharmaka, Naturkosmetik und funktionelle Lebensmittel, vom mittelständischen Hersteller:innen bis zum Rohstoffeinkauf größerer Unternehmen, die Wert auf dokumentierte Herkunft und Arzneibuchqualität legen.
Auf der Anbauseite richtet sich PlantaMeer an Landwirt:innen in Mecklenburg-Vorpommern, die mit Vertragsanbau von Heil- und Gewürzpflanzen ein zusätzliches Standbein aufbauen wollen.
Und nicht zuletzt spricht das Team alle an, denen regionale Wertschöpfung wichtig ist, denn bisher kommt der Großteil dieser Rohstoffe aus Übersee.


Ein Testfeld, das Demut lehrt
Seit diesem Jahr läuft der Testanbau auf einem Hektar in der Nähe von Grimmen, und der hat dem Team einiges beigebracht. Die Fläche lässt sich nicht maschinell bearbeiten, Jäten, Pflege und Ernte laufen komplett von Hand. Die Ernte läuft noch, das Helferteam dafür steht inzwischen, gefunden über lokale Kanäle in der Umgebung, was auf dem Land gar nicht so einfach war.
Gleichzeitig gab es echte Meilensteine: In diesem Frühjahr ist die PlantaMeer GmbH offiziell an den Start gegangen, die Finanzplanung steht, und erste Gespräche mit Landwirtsbetrieben über Vertragsanbau und Saatgut laufen bereits sind inzwischen in der Vertiefung, und erste Abnehmer:innen haben Absichtserklärungen unterzeichnet. Die größte Aufgabe für die kommenden Monate: aus den Absichtserklärungen feste Abnahmeverträge machen und den Anbau vom Test in die Fläche bringen.
Founders Note
Ein persönlicher Einblick des Teams in die aktuelle Lage von PlantaMeer:
„Wir sind an dem Punkt, an dem aus einer Idee ein echter Betrieb wird, mit allem, was dazugehört: dreckigen Händen auf dem Feld und der Erfahrung, wie schwer es ist, verlässliche Helfer zu finden. Das ist anstrengend, aber wenn man zwischen den eigenen Kulturen steht, weiß man wieder, warum man das macht. Wir glauben fest daran, dass regionale Arzneipflanzen aus MV eine Zukunft haben, und wir wollen die sein, die das bewiesen haben.“

Eigenfinanziert und auf eigene Faust
Bisher ist PlantaMeer komplett eigenfinanziert, die drei Gründer tragen den Aufbau inklusive Testanbau aus eigener Tasche. Gespräche mit möglichen Investor:innen und zu Fördermöglichkeiten laufen aktuell. Vieles hat sich das Team dabei selbst erarbeitet: 2025 ist PlantaMeer beim Ideenwettbewerb UNIQUE angetreten und hat am Businessplanwettbewerb MV teilgenommen, gerade das Feedback der Jurys hat geholfen, das Geschäftsmodell zu schärfen. Beworben hat sich das Team zudem beim Inno Award der Technologiezentren MV. Einen klassischen Akzelerator oder Inkubator hat PlantaMeer bislang nicht durchlaufen.
Ein Blick auf die Gründungsszene in Mecklenburg-Vorpommern
Frage 1: Was läuft aus deiner Sicht besonders gut in der Gründungsszene in MV?
„Die Wege sind kurz und die Leute erreichbar, man bekommt hier schneller ein persönliches Gespräch mit den richtigen Ansprechpartnern als in jeder Großstadt. Und über Formate wie UNIQUE oder den Businessplanwettbewerb bekommt man als frühes Team ehrliches Feedback, ohne gleich Anteile abgeben zu müssen.“
Frage 2: Was wünschst du dir für die Zukunft?
„Mehr Mut zu Gründungen abseits von Software, gerade in Landwirtschaft und Bioökonomie hat MV riesige Flächen und riesiges Potenzial, aber Kapitalgeber und Förderlogik sind oft auf schnelle, digitale Modelle zugeschnitten. Wer Pflanzen anbaut, braucht einen längeren Atem, und den sollte das Fördersystem mitgehen.“
Frage 3: Wie hast du in die Gründungswerft gefunden?
„Über die Gründungsszene in Rostock, wenn man hier gründet, kommt man an der Gründungswerft eigentlich nicht vorbei.“
Vision für Mecklenburg-Vorpommern
Für das Team von PlantaMeer bedeutet eine starke Gründungsszene mehr als schnelle, digitale Erfolgsgeschichten.
Ihre Vision: dass MV das Bundesland wird, in dem man gründet, weil die Ressourcen wie Fläche, Meer, Rohstoffe und Lebensqualität hier liegen. Wenn in zehn Jahren junge Teams gezielt hierherziehen, um Landwirtschaft, Gesundheit und Bioökonomie neu zu denken, und dafür Kapital und Fachkräfte vor Ort finden, dann hat die Szene aus ihrer Sicht alles richtig gemacht.
Wurzeln schlagen
PlantaMeer steht noch ganz am Anfang, ein Testfeld, drei Gründer, viel Handarbeit und noch kein einziger fester Industriekunde. Und trotzdem ist schon jetzt zu erkennen, worauf das Team hinausarbeitet: beweisen, dass Heilpflanzen aus MV der Industrie mehr bieten können als Ware aus Übersee, nämlich Herkunft, die sich nachvollziehen lässt.
Ein Feld, das man besuchen kann, schafft eine andere Art von Vertrauen als jedes Zertifikat.











